Rosmarie Waldrop

Ins Abstrakte treiben
Aus dem Amerikanischen von Elfriede Czurda und Geoff Howes



Von der Goldmünze mit dem Fürstenkopf über das Papiergeld bis hin zum digitalen Geldstrom heutiger Bezahlsysteme verläuft die Entwicklungslinie einer zunehmenden Entmaterialisierung des gesellschaftlichen Lebens. Auch von der Erfindung der Null und der Entdeckung des Fluchtpunkts in der Malerei führen ähnliche Linien in unsere zusehends durch o und
I bestimmte Gegenwart. Diese Tendenz zum Abstrakten wird in Rosmarie Waldrops Buch poetisch untersucht, indem sie die von Brian Rotman beschriebenen Beobachtungen aus der Position einer Frau neu artikuliert – einer Frau, die ihren eigenen Körper ins Spiel bringt und mitbedenkt. Er ist der unhintergehbare Endpunkt des Abstrahierens, ein konkreter Körper, den es nach anderen Körpern verlangt.
Es ist eine drängende, existentielle Frage, denn die Autorin verhandelt hier auch ihr eigenes Medium: »sobald erst einmal die metapher ausgeschöpft ist, sozusagen ihre prägung verloren hat, funktioniert sie wie bloßes metall, nicht länger münze. sagt nietzsche. als ob es dasselbe wäre, ein buch zu greifen und seinen inhalt zu begreifen. es gegen meine stirn zu reiben, dass es hineingeht.«
Waldrops poetische Sprache, sinnlich und abstrakt, schlägt aus dieser Engführung Funken, die irritieren und ein Feuer­werk an Denkanstößen bieten. Ein grandioser Text, der zugleich tut, was er verhandelt.

Rosmarie Waldrop, geb. 1935 in Kitzingen am Main, wanderte 1958 in die USA aus, wo sie heute als Autorin, Verlegerin und Übersetzerin in Providence, Rhode Island lebt. Seit 1967 hat sie ein großes Werk von über 40 Gedicht- und Prosabänden veröffentlicht.




Rosmarie Waldrop, Ins Abstrakte treiben
Deutsche Erstausgabe
Amerikanisch/Deutsch, übersetzt von Elfriede Czurda und Geoff Howes
112 Seiten, Hardcover, fadengeheftet, mit Lesebändchen
ISBN 978-3-902951-17-5      € 19,00