der schönste Teil, sie erinnern
an Flügel oder eine Art von
Akkordeon, wo Leben rein- und rausgeht
man sieht es besser
nach der Hungersnot oder im Massengrab
sie sind die Riefen im Sand
wenn das Meer sich zurückgezogen hat
sie sind die zerbrechlichsten Zweige
der Bäume, die in offenen Lastwagen
abtransportiert werden
Mit ruhiger, lakonischer Sprache verzeichnet Miriam Van hee in ihren Gedichten Landschaft und Geschichte und kontrastiert deren Verheißungen mit ihrem Verlust und Verfall. Was Halt verspricht, betrachtet sie mit skeptischem Blick und entbeint zielsicher die vertraute Welt von falschen Hoffnungen und Sehnsüchten. Denn Schreiben ist für sie eine Form nachzudenken, ein Versuch, sich über die Welt und sich selbst klarer zu werden.
Das poetische Werk von Miriam Van hee ist ein unaufdringliches Plädoyer für die Vergänglichkeit. Die feinsinnigen, unsentimentalen Bilder der flämischen Dichterin werden in dem Band Der Zusammenhang zwischen den Tagen erstmals in einer autorisierten, repräsentativen Auswahl in deutscher Sprache vorgestellt.
»Miriam Van hee ist die größte dichterische Entdeckung der letzten Jahre.«
(das Magazine Littéraire zur französischen Ausgabe Le lien entre les jours)
Miriam Van hee, geb. 1952 in Gent, studierte Slavistik und arbeitet als Autorin, Übersetzerin und Dozentin für Russisch. Sie übersetzte u.a. Anna Achmatova und Ossip Mandelstam. Seit 1978 erschienen sieben Gedichtbände, u.a. Eingeschneit, Winterhart, Reisegeld, Hinter den Bergen, Brombeerernte. Ihr Werk wurde mit den bedeutendsten flämischen Literaturpreisen ausgezeichnet und ist in mehrere Sprachen übersetzt.
Miriam Van hee, Der Zusammenhang zwischen den Tagen. Gedichte
Deutsche Erstausgabe
Niederländisch/Deutsch, übersetzt von Gregor Seferens
144 Seiten, Hardcover, fadengeheftet, mit Lesebändchen
ISBN 3-902113-49-9 € 18,50 / sfr 31,80
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