Marko Pogačar

An die verlorenen Hälften
Aus dem Kroatischen von Alida Bremer

Allem Dasein ist immer auch ein Element des Zufälligen eigen. Als Schnittpunkt von Raum und Zeit, von Gesellschaftlichem und Persönlichem realisiert sich im Konkreten immer nur eine Möglichkeit – die könnte aber eben auch anders sein. Pogačars Gedichte tauchen mit Aberwitz, alternativen Logiken und unerwarteten Bildabzweigungen ein in dieses unendliche Netz möglicher neuer Verknüpfungen.

Gerichtet sind diese Gedichte an die einfachen, »einfach« genannten Leute, den Gärtner, die müden Trotzkisten oder die Schneiderinnen in den Fabriken und zu Hause. Doch wird weder zur Arbeit im Dienste des Volkes noch zum politischen Durchhalten ermuntert – im Gegenteil: Pogačars An die verlorenen Hälften gibt den Irritationen einer unübersichtlich gewordenen Welt Raum. Die Texte pendeln gezielt zwischen der Aufforderung, mit überkommenen Werten und Vorstellungen zu brechen, und dem Zweifel, wieweit Veränderung überhaupt möglich ist. Die Leere aus Unüberschaubarkeit und Immergleichem führt in einen Strudel der Melancholie; von deren Grund jedoch stoßen die Gedichte sich ab in eine Feier des zufällig Anwesenden, den schillernden Reichtum des Möglichen.

Der Gedichtband An die verlorenen Hälften eröffnet die gemeinsam mit dem literarischen Netzwerk TRADUKI in der Edition Korrespondenzen herausgegebene Reihe mit junger Poesie aus Südosteuropa tradukita poezio.

Marko Pogačar, geb. 1984 in Split, studierte Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft in Zagreb. Er ist Redakteur der Literaturzeitschrift Quorum und des Kulturmagazins Zarez. Seit 2005 veröffentlichte er vier Gedichtbände, drei Essaysammlungen und ein Buch mit Kurzgeschichten. In der Edition Korrespondenzen erschien 2015 sein Gedichtband Schwarzes Land.



Marko Pogačar, An die verlorenen Hälften. Gedichte
Deutsche Erstausgabe
Kroatisch/Deutsch, übersetzt von Alida Bremer
168 Seiten, Broschur, fadengeheftet
ISBN 978-3-902113-68-9    € 16,– / sfr 27,90