[…] government is not the solution der freistil der macht kennt keine schranken.
präsident reagan: government is the problem. wissen aus des übels erfahrung gereiche
nicht zur einsicht: die sint ouch tot, bringt seit sieben jahrhundert keinen
selbstgerechten ins wanken
die valscheme rate volgent mit der tat; triumph über andere wuchert als seuche
unversehens triebpolitik also west der österreichischen freiheit leiche.
parteienverkehr eurer stimmen zur kumpanei, der gesellschaftsverstand trickst entzwei,
gibt es verhetzung, landzwang, glaub willkürlichkeitsakten; nimmermehr gleiche
lebensrechte für alle: wir sind im gehege der menschen jägerei
aus: Ballade über die Abreimung der Freiheit in Österreich
Mit Gedichten voller Esprit antwortet Kurt Neumann auf die wild gewordene Phrasendrescherei der modernen Medienwelt. Er rührt die abgestumpften Jedermann-Floskeln aus Alltag und »Triebpolitik« kräftig durch und fügt sie leicht verfremdet neu zusammen, so dass aus den Worthülsen der verbrauchten Antworten wieder drängend die alten elementaren Fragen nach »Liebe«, »Freiheit«, »Recht« schlagen.
Der eindimensionalen Rede vom scheinbar Notwendigen stellt Neumann eine versehrte Sprache entgegen, welche Möglichkeiten offen lässt und selbst noch aus bedeutungsfreien Kunstworten Assoziationsräume schafft.
Wer schnelle Belehrung erwartet, wird sie hier nicht finden. Wer sich aber einlässt auf Kurt Neumanns schalkhaft-klugen Sprachspiegel, wird in dessen grotesker Verzerrung nicht nur die entmündigte Welt, sondern auch sich selbst, sein Selbst, erkennen.
Kurt Neumann, geb. 1950 in Gmunden, lebt in Wien. Seit 1977 verantwortlich für das Literaturprogramm der Alten Schmiede in Wien.
Kurt Neumann, Ein Dutzend. ca. 15 Gedichte
Originalausgabe
32 Seiten, französische Broschur, fadengeheftet
ISBN 3-902113-32-4 € 9,– / sfr 16,20