Stanka Hrastelj

Anatomie im Zimmer
Aus dem Slowenischen von Daniela Kocmut


Ein Mädchen verbirgt seine Hände, weil es nicht will, dass der Freund seine zerkratzten Hände sieht, zerkratzt von den Katzen, die sie ertränken musste. Zwei Teenager schneiden sich aus Verzweiflung und Neugierde die Pulsadern auf: nur um mal zu sehen, wie groß die Blutlache wird.
Die dörfliche Welt in Stanka Hrasteljs Gedichten ist eng, provinziell, familiär und blutig strukturiert. Der Blick auf das Dorf und die Familie jedoch niemals naiv oder denunzierend. Vielmehr zeichnen sich Stanka Hrasteljs Gedichte durch eine außerordentliche Schärfe, Schonungslosigkeit wie auch durch Humor aus. Und nicht selten sind es gerade die stilleren Bilder, die besonders bedrohlich wirken: Eine Frau, die beim Gespräch über Alltäglichkeiten immer schweigend auf ihre Teetasse starrt. Die tiefe Trauer eines Arbeiters, die niemand wahrnehmen will.
Durch die exakte Autopsie der Beziehungen und Mentalitäten vermag Stanka Hrastelj in ihren plastischen Gedichten jene im Dorf- und Familienalltag falsch laufenden Stränge zu berühren, die ansonsten den Blicken meist verborgen bleiben.

Der Gedichtband Anatomie im Zimmer ist Teil der gemeinsam mit dem literarischen Netzwerk TRADUKI in der Edition Korrespondenzen herausgegebenen Reihe tradukita poezio, junge Poesie aus Südosteuropa.


Stanka Hrastelj, geb. 1975 in Brežice, lebt als Lyrikerin und Übersetzerin in Krško. Bisher erschienen von ihr die beiden Gedichtbände Nizki toni (Tiefe Töne, 2005), für den sie den Preis für das beste Debüt erhielt, und Gospod, nekaj imamo za vas (Mein Herr, wir haben etwas für Sie, 2009). Mit dem von der Autorin zusammengestellten Band Anatomie im Zimmer werden die Gedichte von Stanka Hrastelj nun erstmals dem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht.




Stanka Hrastelj, Anatomie im Zimmer. Gedichte
Deutsche Erstausgabe
Slowenisch / Deutsch, übersetzt von Daniela Kocmut
144 Seiten, Broschur, fadengeheftet
ISBN 978-3-902951-00-7      
16,–