Gennadij Gor

Blockade
Aus dem Russischen von Peter Urban



900 Tage dauerte die Blockade Leningrads (1941-44) durch die deutsche Wehrmacht. Die Stadt, ihrer Infrastruktur durch die systematische Bombardierung völlig beraubt, bot ein Bild des Grauens: Bombenruinen, zerfetzte Körper, brennende Häuser, 40° Frost, keine Lebensmittel, kein Brennmaterial, keine Zeitungen – täglich verhungern und erfrieren Tausende. Gennadij Gors während der Blockade entstandenen Gedichte reagieren auf die Schrecken nicht mit dem offiziell geforderten Heldenpathos, sondern mit einem lakonisch-spielerisch daherkommenden, schonungslosen »lyrischen Bericht«, der die Vorkommnisse konkret benennt: Hunger, Eiseskälte, Artilleriebeschuss, Kannibalismus und der allgegenwärtige Tod. Die den Terror kontrastierenden spielerischen Rhythmen und die oft absurd wirkenden Reime erzeugen eine verzweifelte Komik. Und auch die eingestreuten Erinnerungssplitter an bessere Tage und menschliche Nähe verstärken nur den Eindruck der totalen Vereinsamung und Haltlosigkeit in einer Welt, in der nichts mehr so ist, wie es einmal war.

Peter Urban hat dieses einzigartige dichterische und menschliche Dokument sorgfältig übersetzt und ediert, sowie mit einem die Hintergründe ausführlich dokumentierenden Nachwort versehen.

Gennadij Samojlovič Gor, geboren 1907 im transbajkalischen Verchneudinsk, gestorben 1981 in Leningrad. Stand mit Daniil Charms und Aleksander Vvedenskij, den Hauptakteuren der Avantgarde-Gruppe OBERIU, in Kontakt. Veröffentlichte seit 1923 experimentelle Prosa. Nach Kriegsende wandte er sich der so genannten wissenschaftlichen Phantastik zu. Auf Deutsch erschien zuletzt: Das Ohr. Friedenauer Presse, 2007.



Gennadij Gor, Blockade. Gedichte
Originalausgabe
Russisch / Deutsch, übersetzt und mit einem Nachwort von Peter Urban
238 Seiten, Hardcover, fadengeheftet, mit Lesebändchen
ISBN 978-3-902113-52-8      € 23,– / sfr 38,70


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