Marianna Georgieva

Ausweg
Aus dem Bulgarischen von Alexander Sitzmann



Die Welt in Marianna Georgievas Gedichten ist so schmerzhaft, unmenschlich und falsch wie die Welt, in der wir – wohl oder übel – zu leben gezwungen sind, einer Welt von Gefangenen, Ausgestoßenen, Flüchtlingen, einer Welt von Trauma, Ungerechtigkeit und zerstörter Natur. Doch bei Georgieva wird kein Lamento angestimmt, vielmehr erkunden ihre Gedichte teils drastisch, teils distanziert beobachtend, was sich unter der Oberfläche des Menschlichen befindet, als würden sie ein angeschossenes Tier, das sich verkriecht, beschreiben. Mit surrealen Bildern und entwaffnender Nüchternheit wird die menschliche Agonie aufgedeckt und aus ihrer Reserve geholt. Zugleich wird aber auch nach einem Ausweg aus der scheinbaren Ausweglosigkeit gesucht, indem das Innerste nach außen gekehrt und dem Leser die Möglichkeit geben wird, sich selbst zu erkennen, sich selbst in dieser Wirklichkeit zu verorten.
In Ausweg erweist sich Marianna Georgieva nicht nur als Vivi­sekteurin der bulgarischen Gesellschaft, sondern des Menschen überhaupt.

Der Gedichtband Die schwindende Stadt ist Teil der gemeinsam mit dem literarischen Netzwerk TRADUKI in der Edition Korrespondenzen herausgegebenen Reihe tradukita poezio, junge Poesie aus Südosteuropa.


Marianna Georgieva wurde 1986 in Ufa, Republik Baschkortostan in der Russischen Föderation geboren. Sie studierte Jura, Creative Writing sowie Künstlerische Psychosoziale Praktiken und Psychodrama. Zurzeit studiert sie Psychoanalyse. 2014 debütierte sie mit dem Roman Der Schuldner, 2016 erschien ihr erster Gedichtband Exotische Arten, einen Vogel zu zerschneiden, 2019 folgte der zweite Gedichtband Ausweg. Sie ist Redakteurin der Onlinezeitschrift www.freepoetrysociety.com.




Marianna Georgieva, Ausweg. Gedichte
Deutsche Erstausgabe
Bulgarisch / Deutsch, übersetzt von Alexander Sitzmann
144 Seiten, Broschur, fadengeheftet
ISBN 978-3-902951-51-9      
16,–       (erscheint im Juli 2020)