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weichgezeichnet und unscharf
bleibt alles auch das
was nah ist – unerreichbar
vor dem Fenster der
Zweig die Landzunge im See
es fällt den Dingen
schwer sich von uns zu trennen
sie spielen mit uns
wie mit dem Schatten das Kind
am Wegrand der Mohn
hämmert sein Rot in das Licht
wirft Blüten ins Korn
aus zerknitterter Seide
schwankend und flüchtig
falzt er Leeres ein wenig
ins Abseits ohne
Anspruch auf Boden und Stand
duftlos vergänglich
bleibt er hinlänglich luftig
damit sich Sorge
nicht festsetzt in Kapseln und
milchigen Kammern
nichts Schweres erklettert den
drahtigen Stängel
alles bleibt ohne Gewicht
das Magnum Chaos
hat alle Formen durchkämmt
und nichts gefunden
außer einer unsteten
Neigung zur Liebe

Seit 2002 schreibt Franz Dodel an einem gigantischen und einzigartigen Lyrikprojekt, das er mit »Nicht bei Trost« überschreibt. Die Arbeit besteht aus einem sich scheinbar wie von selbst fortspinnenden Text, einem Endlos-Haiku mit der stetigen Folge von 5 – 7 – 5 – 7 Silben, das inzwischen auf über 13000 Verse angewachsen ist und täglich fortgesetzt wird.
Wie ein textiles Geflecht breitet sich dieses Kettengedicht in die verschiedensten inhaltlichen Richtungen aus. Es schwingt von lyrischen Natureindrücken zu philosophisch religiösen Betrachtungen, verarbeitet antikes Textmaterial, greift biographische Erinnerungsbruchstücke auf und bezieht sich immer wieder auf die sich ausbreitende Textur selbst. Nach jeweils 500 Zeilen knüpft der Inhalt (als Hommage) an Marcel Prousts À la recherche du temps perdu an.
Statt an Ende, Ziel und suspekten Trostangeboten orientiert sich dieser Text an der Offenheit schweifender Reflexion und sinnlich genauer Betrachtung. Noch intensiver wird dieses Umschichten von Arten des Staunens im »wachen Schlaf« des sich beim halblauten Lesen entwickelnden meditativen Sogs.
Ein erster Teil von Nicht bei Trost erschien 2004. Hier wird nun ein weiterer, für sich stehender Teil – wiederum 6000 Zeilen – in Buchform veröffentlicht. Auf der linken Seite wird das rechts stehende Gedicht jeweils von Abbildungen, Anmerkungen und Textauszügen, auf die Nicht bei Trost anspielt, begleitet, die den Leser zu weiteren Abschweifungen einladen.
Franz Dodel, geboren 1949 in Bern, lebt und arbeitet in Boll und Bern. Zuletzt erschienen: Mein Haus hat keine Wände. Gedichte, Biel 2001. Nicht bei Trost – a never ending Haiku, 3 Bde., Biel, 2004 und www.franzdodel.ch
Franz Dodel, Nicht bei Trost. Haiku, endlos
Originalausgabe
612 Seiten, Dünndruckpapier, Lederfasereinband, mit Lesebändchen
ISBN 978-3-902113-58-0 € 28,90 / sfr 49,90
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