Christoph W. Bauer

supersonic
logbuch einer reise ins verschwinden


      I

      lets go dann ein basslauf herzschlagdumpfer
      alarm im sog der gitarren eine stimme nicht
      deine in nomadischen schleifen die wände
      entlang schrauben riffe sich ohrwärts auf
      und davon marschieren akkorde durch
      arme brust kinn einem gestern aus dem
      gesicht geschnitten austariert und ab
      gemessen als morgen wie er im reise
      pass steht besondere kennzeichen keine


      II

      keine korrekturfahnen mehr sind die worte
      erst broschiert in der firnis der augen nicht
      mehr konvertierbar apern unter den lidern
      schlafgeschriebene folianten in geerdeten
      sätzen wächst gras über die wimpern land
      striche und orte roulieren die iris im casino
      der bilder werden karten neu vermessen
      in pupillenschwarzem plastilin gerollt zu
      globen keine einsätze mehr rien ne va plus



Verschwinden, Abwesenheit, Unaussprechlichkeit. Christoph W. Bauer hat ein großes Gedicht vom Tod geschrieben: 1 Gedicht in 70 Gedichten, das Logbuch einer Reise, die einsetzt in der Lust am Unterwegssein, an Zerstreuung, eine Reise vor allem in Zügen, die schon bald, im Windschatten der griechischen Mythologie, auch in die Unterwelt führt. Dem Stillstand aber verweigert sich Bauers Fahrtenkatalog, der keinen Anfang und kein Ende kennt, und wird so zum Anschreiben gegen die Ausweglosigkeit des linearen Schienenstrangs. Als wollte das jeweils letzte Wort eines Textes genau das Gegenteil von Ende ankünden, wird es zum Einleitungswort des folgenden Gedichts, wird das abschließende »lets go« zur Schwelle für den Neubeginn.
supersonic ist ein in sich kreisender Zyklus von permanenter Gegenwart. Und im Rückgriff auf literarische Traditionen, deren Handwerk und Motive er souverän beherrscht, schafft Christoph W. Bauer Gedächtnislandschaften, »ein land in unsichtbaren atlanten«.

Christoph W. Bauer, geboren 1968 in Kolbnitz/Kärnten, lebt als Schriftsteller in Innsbruck. Redakteur der Zeitschrift Wagnis. Er veröffentlichte die Gedichtbände wege verzweigt (1999), die mobilität des wassers müsste man mieten können (2001), fontanalia.fragmente (2003) und den Roman Aufstummen (2004). Auszeichnungen: Reinhard-Priessnitz-Preis 2001, Publikumspreis beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2002 u.a.




Christoph W. Bauer, supersonic. logbuch einer reise ins verschwinden
Originalausgabe
140 Seiten, Hardcover, fadengeheftet, mit Lesebändchen
ISBN 3-902113-39-1      € 18,50 / sfr 31,80



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